Keine Finanz- oder Anlageberatung. Dieser Beitrag erklärt, wie ein Muster und die Mechanik dahinter funktionieren. Er sagt nichts darüber, wie sich der Kurs entwickeln wird, und ist keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf. Bitte treffen Sie Entscheidungen nur auf Grundlage eigener Prüfung.
Wer sich mit Bitcoin beschäftigt, begegnet früh einer Erzählung: Alle vier Jahre halbiere sich die Menge neuer Bitcoin, danach steige der Kurs, übertreibe und falle wieder. Viele Charts zeigen dazu farbige Phasen, als liefe der Markt nach einem Uhrwerk.
In dieser Erzählung stecken zwei sehr verschiedene Dinge. Das eine ist eine Regel im Protokoll, die jeder Node selbst prüft und die sich ohne breite Zustimmung des Netzwerks nicht ändern lässt. Das andere ist eine Deutung der Kursgeschichte, gestützt auf wenige Beobachtungen. Wer beides auseinanderhält, versteht den Zyklus besser als die meisten, die ihn zitieren.
Was feststeht: die Halbierung
Neue Bitcoin entstehen nur auf einem Weg: Wer einen gültigen Block findet, darf sich eine festgelegte Belohnung gutschreiben. Diese Belohnung ist im Protokoll festgeschrieben und halbiert sich alle 210.000 Blöcke. Bei durchschnittlich rund zehn Minuten je Block sind das etwa vier Jahre – daher der Name.
Begonnen hat es mit 50 Bitcoin je Block. Seither gab es vier Halbierungen, englisch „Halving“: am 28. November 2012 (Block 210.000), am 9. Juli 2016 (Block 420.000), am 11. Mai 2020 (Block 630.000) und am 20. April 2024 (Block 840.000). Heute beträgt die Belohnung 3,125 Bitcoin je Block.
Weil sich die Belohnung immer wieder halbiert, nähert sich die Gesamtmenge einer Grenze an: knapp 21 Millionen Bitcoin. Die letzte Belohnung wird nach heutiger Rechnung um das Jahr 2140 ausgezahlt. Danach entstehen keine neuen Bitcoin mehr; die Miner erhalten dann nur noch die Gebühren der Transaktionen.
| Epoche ab | Belohnung je Block | neue BTC pro Tag | Menge zu Beginn | neue Menge pro Jahr |
|---|---|---|---|---|
| Januar 2009 | 50 | 7.200 | 0 | – |
| November 2012 | 25 | 3.600 | 10,5 Mio. | ca. 12,5 % |
| Juli 2016 | 12,5 | 1.800 | 15,75 Mio. | ca. 4,2 % |
| Mai 2020 | 6,25 | 900 | 18,38 Mio. | ca. 1,8 % |
| April 2024 | 3,125 | 450 | 19,69 Mio. | ca. 0,8 % |
| voraussichtlich April 2028 | 1,5625 | 225 | 20,34 Mio. | ca. 0,4 % |
Diese Zahlen kann jeder selbst nachrechnen und mit einem eigenen Node prüfen. Daran ändert keine Börse, kein Unternehmen und kein Kursverlauf etwas. Das ist der feste Boden, auf dem alles Weitere steht.
Was daraus abgeleitet wird: die Erzählung vom Zyklus
Die Zyklus-Erzählung verbindet die Halbierung mit dem Kurs. Ihre Mechanik ist schnell erklärt:
- Miner verkaufen laufend. Strom, Geräte und Personal kosten Geld. Ein Teil der neuen Bitcoin wird deshalb regelmäßig verkauft.
- Die Halbierung halbiert diesen Strom. Seit April 2024 kommen statt rund 900 nur noch rund 450 neue Bitcoin pro Tag auf den Markt.
- Bleibt die Nachfrage gleich, trifft sie auf weniger neues Angebot. Die Erzählung folgert: Der Kurs steigt in den Monaten danach, die Stimmung schaukelt sich auf, es kommt zur Übertreibung – und danach zum Rückgang.
Ein Blick in die Geschichte scheint das zu stützen. Nach den Halvings 2012, 2016 und 2020 gab es jeweils in den folgenden rund 12 bis 18 Monaten deutliche Hochpunkte – im Dezember 2013, im Dezember 2017 und im November 2021 – und danach jeweils tiefe Rückgänge.
Ehrlich gezählt: wie ähnlich waren die Zyklen wirklich?
Vergleicht man die Zyklen miteinander, wird zweierlei sichtbar. Erstens: Die grobe Form – Anstieg, Hochpunkt, Rückgang – wiederholt sich. Zweitens: Dauer, Ausmaß und Verlauf unterscheiden sich deutlich. Am deutlichsten zeigt das das Jahr nach jedem Halving: Die Anstiege fielen von Zyklus zu Zyklus schwächer aus, die Zeitpunkte verschoben sich, und zwischendurch gab es Einbrüche, die mit dem Halving nichts zu tun hatten.
Aktueller Stand
Für diesen Beitrag haben wir den Stand an unserem eigenen Bitcoin-Node abgelesen:
969.640Blockhöhe am 3. Oktober 2026
3,125 BTCBelohnung je Block seit April 2024
rund 20,09 Mio.Bitcoin bisher ausgegeben – etwa 95,7 % der Endmenge
noch rund 80.360Blöcke bis zum nächsten Halving bei Block 1.050.000
Bei zehn Minuten je Block entspricht das gut 18 Monaten; das nächste Halving fällt damit voraussichtlich in den April 2028. Der genaue Tag hängt davon ab, wie schnell die Blöcke tatsächlich gefunden werden.
Bewusst nicht Teil dieses Beitrags ist die Frage, an welcher Stelle eines Zyklus der Kurs heute steht. Das wäre bereits eine Deutung mit Blick auf den künftigen Kurs.
Wo die Erklärung an Grenzen stößt
Der Zyklus ist eine plausible Erzählung – aber eine schwach belegte. Diese Einwände gehören dazu:
- Sehr wenige Beobachtungen. Es gab bisher vier Halvings und damit drei vollständige Zyklen. Aus so wenigen Fällen lässt sich statistisch kaum etwas sicher ableiten. Ein Muster aus drei Wiederholungen kann auch Zufall sein.
- Das neue Angebot wird immer kleiner. 2012 wuchs die Menge um rund 12,5 % pro Jahr, heute um etwa 0,8 %. Jede weitere Halbierung nimmt also einen immer kleineren Strom vom Markt. Selbst wenn der Mechanismus früher wirkte, muss seine Wirkung abnehmen.
- Andere Kräfte sind größer. Zinsen und die Menge an verfügbarem Geld, Regulierung, Börsenpleiten und große neue Käufergruppen bewegen den Markt stark. Seit Januar 2024 gibt es in den USA börsengehandelte Bitcoin-Fonds; solche Zuflüsse können die Wirkung der Halbierung überlagern.
- Ein bekanntes Muster verändert sich selbst. Wenn alle einen Zyklus erwarten, handeln manche früher – und verschieben ihn damit.
- Andere Erklärungen passen ebenfalls. Einige Analysten sehen die Hochpunkte eher im Takt der weltweiten Geld- und Zinszyklen, die zufällig ähnlich lange dauerten.
Blick nach vorn: Tatsachen und Prüfsteine
Was wir sicher sagen können, sind die Regeln des Protokolls:
Ob der Zyklus auch künftig im Kurs sichtbar sein wird, kann niemand sicher sagen. Statt einer Vorhersage nennen wir Prüfsteine – also woran man erkennen würde, dass das Muster an Bedeutung verliert:
- Nach einem Halving weicht der Markt nicht erkennbar von dem ab, was ohnehin geschieht.
- Die typische Abfolge aus Anstieg, Hochpunkt und tiefem Rückgang verschwimmt oder bleibt aus.
- Der Kursverlauf folgt deutlich enger den Zins- und Geldmengenzyklen als den Halving-Terminen.
Eine weitere Folge ist sicher und wird oft übersehen: Mit jeder Halbierung sinkt der Teil der Miner-Einnahmen, der aus neuen Bitcoin stammt. Langfristig müssen die Transaktionsgebühren die Sicherheit des Netzwerks tragen. Ob und wie gut das gelingt, ist eine der spannenden offenen Fragen von Bitcoin – unabhängig vom Kurs.
Was das für Sie heißt
Das Halving ist eine der wenigen Tatsachen, auf die man sich bei Bitcoin vollständig verlassen kann: eine Regel, die jeder selbst prüfen kann. Der Zyklus dagegen ist eine Erzählung über die Vergangenheit – lehrreich, aber kein Fahrplan.
Für Ihre Sicherheit zählt etwas anderes als der richtige Zeitpunkt: dass Ihre Bitcoin wirklich Ihnen gehören, dass Sie Ihre Wiederherstellung geprüft haben und dass Ihre Familie im Ernstfall weiß, was zu tun ist.
Ihr nächster Schritt
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Keine Finanz- oder Anlageberatung. Dieser Beitrag dient ausschließlich der Erklärung. Er enthält keine Prognose und keine Empfehlung zum Kauf, Halten oder Verkauf von Bitcoin. 21 Fruits verwahrt keine Bitcoin und erhält keine Provisionen. Bitte treffen Sie Entscheidungen nur auf Grundlage eigener Prüfung.
Quellen
- Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System
- BIP 42: A finite monetary supply for Bitcoin
- Bitcoin Core: Berechnung der Blockbelohnung (GetBlockSubsidy)
- Blockhöhe und ausgegebene Menge: eigener Bitcoin-Core-Node von 21 Fruits, Stand 3. Oktober 2026
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