Haftungsausschluss

Keine Finanz- oder Anlageberatung. Dieser Beitrag erklärt, wie ein Modell funktioniert. Er sagt nichts darüber, wie sich der Kurs entwickeln wird, und ist keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf. Bitte treffen Sie Entscheidungen nur auf Grundlage eigener Prüfung.

Wer Bitcoin-Charts verfolgt, kennt das Bild: Der Kurs schwankt wild, doch auf einer bestimmten Darstellung legt er sich erstaunlich eng um eine gerade Linie – über mehr als fünfzehn Jahre. Diese Linie heißt „Power Law“, auf Deutsch Potenzgesetz.

Die Grafiken dazu sind oft hervorragend gemacht. Erklärt wird selten, was man eigentlich sieht. Genau das holen wir hier nach – in drei Schritten: Was ist eine logarithmische Skala? Was ist ein Potenzgesetz? Und was folgt daraus für Bitcoin – und was nicht?

Schritt 1: Dieselben Daten, drei Ansichten

Die wichtigste Zutat des Modells ist nicht Bitcoin, sondern die Art der Darstellung. Bevor wir auf den Kurs schauen, deshalb ein neutrales Rechenbeispiel mit zwei Kurven, die beide von 1 auf etwa 1.000 wachsen:

  • Potenzgesetz: Die Größe wächst wie die Zeit hoch 3. Nach 2 Zeitschritten ist sie 8, nach 10 ist sie 1.000.
  • Exponentiell: Die Größe verdoppelt sich mit jedem Zeitschritt. Nach 10 Schritten ist sie 1.024.

Schalten Sie zwischen den drei Ansichten um und achten Sie darauf, welche Kurve wann zur Geraden wird:

Zwei Wachstumsarten auf drei SkalenEin Potenzgesetz (Zeit hoch 3) und exponentielles Wachstum (Verdopplung je Zeitschritt). Auf normaler Skala sehen beide ähnlich aus; auf logarithmischer Höhe wird die exponentielle Kurve zur Geraden; doppelt logarithmisch wird das Potenzgesetz zur Geraden.

Auf normaler Skala sehen beide Kurven ähnlich aus. Mit logarithmischer Höhe wird die exponentielle Kurve zur Geraden. Werden Höhe und Zeit logarithmisch gezeichnet, wird das Potenzgesetz zur Geraden.

Grafik 1 · Zwei Wachstumsarten auf drei Skalen. Reines Rechenbeispiel, keine Kursdaten.

Was dieses Beispiel zeigt, ist der Kern des ganzen Modells:

  • Auf einer logarithmischen Skala bedeutet jeder gleich große Schritt nicht „plus zehn“, sondern „mal zehn“. Riesige Unterschiede werden so auf einem Bild sichtbar.
  • Werden beide Achsen logarithmisch gezeichnet, wird ein Potenzgesetz zu einer Geraden. Ihre Steigung ist der Exponent – im Beispiel 3.
  • Ein Potenzgesetz wächst immer langsamer als exponentielles Wachstum: Der prozentuale Zuwachs pro Jahr nimmt mit der Zeit ab.

Ein Gesetz, das die Natur oft zeigt

Potenzgesetze sind keine Erfindung der Bitcoin-Welt. Sie tauchen überall dort auf, wo Systeme wachsen und sich selbst organisieren:

  • Stoffwechsel: Der Energieumsatz von Tieren steigt ungefähr mit der Körpermasse hoch drei Viertel – von der Maus bis zum Elefanten (Kleibers Gesetz).
  • Erdbeben: Starke Beben sind nach einer festen Potenzregel seltener als schwache (Gutenberg-Richter-Gesetz).
  • Städte und Sprache: Die Größe von Städten oder die Häufigkeit von Wörtern folgt oft einem Potenzgesetz (Zipfsches Gesetz).
  • Netzwerke: Wie stark Netzwerke wachsen und vernetzt sind, lässt sich häufig mit Potenzgesetzen beschreiben.

Das Power-Law-Modell überträgt diese Idee auf Bitcoin: Es beschreibt mit einer einfachen mathematischen Funktion, wie sich der Kurs über die Zeit entwickelt hat.

Schritt 2: Das Gesetz auf Bitcoin angewendet

Das Power-Law-Modell für Bitcoin trägt den Kurs gegen die Zeit seit dem ersten Block am 3. Januar 2009 auf – beides logarithmisch. Auf dieser Darstellung liegen die Kurse der Vergangenheit nahe einer Geraden. Gerechnet wird eine Ausgleichsgerade durch alle bisherigen Punkte; ihre Steigung liegt in den gängigen Fassungen bei knapp 6. Vereinfacht gesagt: Der Kurs hat sich in der Vergangenheit ungefähr so entwickelt wie die Zeit hoch knapp 6.

Bekannt wurde der Ansatz um 2018 und 2019, unter anderem durch den Physiker Giovanni Santostasi und einen viel gelesenen Beitrag von Harold Christopher Burger. Als mögliche Begründung wird oft auf Netzwerkeffekte verwiesen: Mit jedem neuen Nutzer wird ein Netzwerk für alle anderen wertvoller – ein Wachstum, das sich mit Potenzgesetzen gut beschreiben lässt.

Potenzgesetz mit Ober- und Untergrenze und der Bitcoin-Kurs, doppelt logarithmischDas Potenzgesetz Kurs gleich 1,0117 mal 10 hoch minus 17 mal Tage hoch 5,82 als Mittellinie, dazu eine Obergrenze beim 8-Fachen und eine Untergrenze beim 0,4-Fachen, als mathematische Funktion bis 2030 gezeichnet. Darauf in Orange der Bitcoin-Kurs an jedem Jahresende von 2010 bis 2025 und zuletzt am 3. Oktober 2026 bei rund 85.000 US-Dollar. Die Kurslinie endet dort.0,10 $1 $10 $100 $1.000 $10.000 $100.000 $1 Mio. $201020122014201620182020202220242030Zeit seit dem ersten Block (logarithmisch, beschriftet mit Jahren)heuteEnde 2010: rund 0.3 USDEnde 2011: rund 5 USDEnde 2012: rund 13.3 USDEnde 2013: rund 750 USDEnde 2014: rund 320 USDEnde 2015: rund 430 USDEnde 2016: rund 960 USDEnde 2017: rund 14000 USDEnde 2018: rund 3800 USDEnde 2019: rund 7200 USDEnde 2020: rund 29000 USDEnde 2021: rund 46300 USDEnde 2022: rund 16500 USDEnde 2023: rund 42300 USDEnde 2024: rund 93500 USDEnde 2025: rund 87600 USD3. Oktober 2026: rund 85000 USD— Potenzgesetz (Mittel)▒ Ober- und Untergrenze (8× / 0,4×)— Bitcoin-Kurs (Jahresende, zuletzt 3.10.2026)
Grafik 2 · Das Potenzgesetz und der Bitcoin-Kurs. Grün: das Potenzgesetz als mathematische Funktion (veröffentlichte Formel 1,0117 · 10−17 · Tage5,82) mit Obergrenze beim 8-Fachen und Untergrenze beim 0,4-Fachen – so gewählt, dass alle Jahresschlusskurse bis 2024 darin liegen. Die Funktion ist bis 2030 gezeichnet, weil sie eine Rechenvorschrift ist. Orange: der tatsächliche Bitcoin-Kurs an jedem Jahresende (gerundet, 2010–2012 nur grob) und zuletzt am 3. Oktober 2026 bei rund 85.000 US-Dollar. Die Kurslinie endet heute – wir schreiben sie nicht fort.

Schritt 3: Der Blick in die Vergangenheit

Zwei Beobachtungen machen das Modell interessant – und zugleich vorsichtig:

  • Die Gerade beschreibt die Vergangenheit erstaunlich gut. Über viele Größenordnungen hinweg bleibt der Kurs in ihrer Nähe.
  • Die Abweichungen sind trotzdem riesig. Auf der logarithmischen Darstellung sieht ein Abstand klein aus, der in Wahrheit ein Vielfaches bedeutet. Der Kurs lag immer wieder weit über und weit unter der Linie – über Monate und Jahre.
Abstand des Jahresschlusskurses zur ModellgeradenFür jedes Jahr von 2010 bis 2024 das Verhältnis aus Kurs und Modellwert, logarithmisch von einem Zehntel bis zum Zehnfachen.0,1×0,2×0,5×1×2×5×10×2010: 0.66-fach2011: 1.03-fach20112012: 0.51-fach2013: 7.8-fach20132014: 1.15-fach2015: 0.63-fach20152016: 0.64-fach2017: 4.74-fach20172018: 0.7-fach2019: 0.76-fach20192020: 1.84-fach2021: 1.84-fach20212022: 0.43-fach2023: 0.73-fach20232024: 1.11-fach2024Jahresschluss · über der Linie: dunkel · unter der Linie: hell
Grafik 3 · Abstand zur Modellgeraden. Jahresschlusskurs geteilt durch den Modellwert am selben Tag. Ende 2013 lag der Kurs beim rund 7,8-Fachen, Ende 2022 beim rund 0,43-Fachen des Modellwerts – auf der Log-Skala von Grafik 2 wirkt beides „nah an der Linie“.

Aktueller Stand

Das Modell gibt es seit einigen Jahren, und es wurde mit jedem neuen Datenpunkt neu angepasst. Ein ehrlicher Stand umfasst deshalb zwei Fragen: Wie gut beschreibt die Gerade die bisherigen Daten? Und wie stark ändert sich ihre Steigung, wenn neue Daten hinzukommen? Wir haben die Ausgleichsgerade selbst nachgerechnet – einmal nur mit Daten bis 2016, bis 2020 und bis 2024:

Ausgleichsgeraden mit Daten bis 2016, 2020 und 2024Drei selbst gerechnete Ausgleichsgeraden durch die Jahresschlusskurse, jeweils nur bis zum letzten verwendeten Jahr gezeichnet.0,10 $1 $10 $100 $1.000 $10.000 $100.000 $1 Mio. $201020122014201620182020202220242030Zeit seit dem ersten Block (logarithmisch, beschriftet mit Jahren)2010: rund 0.3 USD2011: rund 5 USD2012: rund 13.3 USD2013: rund 750 USD2014: rund 320 USD2015: rund 430 USD2016: rund 960 USD2017: rund 14000 USD2018: rund 3800 USD2019: rund 7200 USD2020: rund 29000 USD2021: rund 46300 USD2022: rund 16500 USD2023: rund 42300 USD2024: rund 93500 USD— Daten bis 2016: Steigung 5,96— Daten bis 2020: Steigung 6,07— Daten bis 2024: Steigung 5,83
Grafik 4 · Wie die Gerade mit neuen Daten wandert. Eigene Ausgleichsrechnung durch die Jahresschlusskurse. Die Steigung lag bei rund 5,96 (bis 2016), 6,07 (bis 2020) und 5,83 (bis 2024) – nah an den veröffentlichten 5,82, aber eben nicht fest. Jede Linie endet beim letzten verwendeten Jahr.

Die Grafiken 3 und 4 rechnen mit abgeschlossenen Jahren bis 2024. Grafik 2 zeigt den Kurs bis heute; eine Wertung wie „günstig“ oder „teuer“ nehmen wir bewusst nicht vor.

Wo der heutige Kurs im Verhältnis zur Linie steht, zeigt Grafik 2. Eine Deutung daraus – etwa „günstig“ oder „teuer“ – leiten wir bewusst nicht ab: Das wäre bereits eine Aussage über den künftigen Kurs.

Was das Modell nicht kann

  • Eine gute Anpassung ist kein Beweis. Fast jede Reihe, die lange und kräftig wächst, lässt sich auf doppelt logarithmischen Achsen gut durch eine Gerade annähern. Dass es passt, sagt wenig darüber, warum es passt.
  • Die Darstellung täuscht über Abstände. Doppelt logarithmische Achsen stauchen große Ausschläge optisch. Was nah an der Linie aussieht, kann ein Faktor drei oder mehr sein.
  • Das Ergebnis hängt von der Auswahl ab. Welche Jahre einbezogen werden, verändert die Steigung – und damit jede Aussage, die man daraus ableitet.
  • Es gibt nur eine Geschichte. Ein Modell, das an genau dieser einen Geschichte eingestellt wurde, beschreibt sie zwangsläufig gut. Ob es die Zukunft beschreibt, lässt sich erst im Nachhinein prüfen.
  • Ein Lehrstück: Das Stock-to-Flow-Modell wurde 2019 ähnlich populär und galt vielen als ähnlich überzeugend. Ab 2022 lag der Kurs über lange Zeit weit unter dem, was dieses Modell nahelegte. Elegante Modelle können brechen.

Blick nach vorn: Prüfsteine statt Prognose

Grafik 2 zeichnet das Potenzgesetz bis 2030 – als mathematische Funktion. Der Bitcoin-Kurs endet dagegen heute. Ob er dem Gesetz künftig folgt, weiß niemand. Daran würde man erkennen, dass das Modell nicht mehr trägt:

  • Der Kurs entfernt sich dauerhaft weiter von der Linie, als er es in der Vergangenheit je getan hat.
  • Mit jedem neuen Datenjahr ändert sich die Steigung deutlich – die Gerade „wandert“.
  • Die Begründung über Netzwerkeffekte lässt sich an anderen Größen nicht bestätigen, etwa an der tatsächlichen Nutzung.

Was das für Sie heißt

Das Power-Law-Modell ist ein lehrreiches Beispiel dafür, wie viel die Wahl der Darstellung ausmacht. Wer versteht, wie eine logarithmische Skala funktioniert, kann solche Charts selbst lesen – und Behauptungen prüfen, statt ihnen zu glauben.

Für Ihre Sicherheit zählt etwas anderes als jedes Kursmodell: dass Ihre Bitcoin wirklich Ihnen gehören, dass Ihre Wiederherstellung geprüft ist und dass Ihre Familie im Ernstfall weiß, was zu tun ist.

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Haftungsausschluss

Keine Finanz- oder Anlageberatung. Dieser Beitrag dient ausschließlich der Erklärung. Er enthält keine Prognose und keine Empfehlung zum Kauf, Halten oder Verkauf von Bitcoin. 21 Fruits verwahrt keine Bitcoin und erhält keine Provisionen. Bitte treffen Sie Entscheidungen nur auf Grundlage eigener Prüfung.

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