Kaum ein Einwand gegen Bitcoin ist so verbreitet wie der Stromverbrauch. Und er ist berechtigt: Bitcoin braucht tatsächlich viel Energie. Die eigentlich interessanten Fragen beginnen danach – wofür dieser Strom verbraucht wird, woher er stammt und wie man ihn sinnvoll einordnet.
Warum Bitcoin Strom braucht
Neue Blöcke in der Bitcoin-Kette entstehen durch einen Wettbewerb, das sogenannte Mining. Spezielle Rechner suchen nach einer Lösung, die sich nur durch sehr viele Versuche finden lässt. Wer sie zuerst findet, darf den nächsten Block anhängen und erhält dafür eine Belohnung.
Dieser Aufwand ist kein Nebeneffekt, sondern der Kern der Sicherheit: Wer die Vergangenheit umschreiben wollte, müsste mehr Rechenleistung aufbringen als alle ehrlichen Teilnehmer zusammen – und dafür enorme Mengen Strom und Geräte bezahlen. Der Energieeinsatz macht Betrug teuer.
Wie viel ist es?
Das Cambridge Centre for Alternative Finance der Universität Cambridge beobachtet den Stromverbrauch des Bitcoin-Netzwerks seit Jahren. Sein Bericht aus dem Jahr 2025 schätzt ihn auf rund 138 Terawattstunden pro Jahr – etwa 0,5 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs, vergleichbar mit einem mittelgroßen europäischen Land. Das ist viel, und es ist ehrlich, das so zu sagen.
Zur Einordnung gehören zwei Hinweise:
- „Strom pro Transaktion“ führt in die Irre. Der Verbrauch hängt nicht von der Zahl der Zahlungen ab, sondern vom Wettbewerb ums Mining. Ein Block kann wenige oder Tausende Zahlungen enthalten; zusätzliche Verfahren wie das Lightning-Netzwerk bündeln sehr viele Zahlungen, ohne den Verbrauch zu erhöhen.
- Entscheidend ist die Quelle. Eine Kilowattstunde aus Wasserkraft, die sonst ungenutzt bliebe, ist etwas anderes als eine aus einem Kohlekraftwerk.
Was stimmt – und was nicht
„Bitcoin läuft vor allem mit Kohlestrom.“ – So nicht mehr. Nach dem Cambridge-Bericht von 2025 stammen rund 52 Prozent des Mining-Stroms aus erneuerbaren Quellen und Kernenergie: Wasserkraft etwa 23 Prozent, Wind 15, Kernkraft knapp 10, Sonne 3. Kohle ist auf unter 9 Prozent gesunken – Erdgas dagegen auf rund 38 Prozent gestiegen. Ein großer Teil des Stroms ist also weiterhin fossil. Wichtig zur Einordnung: Der Bericht beruht auf einer Befragung von Mining-Unternehmen; Selbstauskünfte einer Branche sollte man immer mit etwas Vorsicht lesen.
„Mining nimmt Haushalten Strom weg.“ – Oft ist das Gegenteil der Fall. Miner suchen den billigsten Strom, und der entsteht dort, wo zu viel davon da ist: an abgelegenen Wasserkraftwerken, bei Wind- und Solarspitzen oder an Orten, an denen Leitungen fehlen. In Regionen wie Texas schalten große Mining-Betriebe bei Engpässen ab und geben Strom ans Netz zurück. Damit können sie Stromnetze sogar stabilisieren.
„Das ist reine Verschwendung.“ – Ob ein Energieeinsatz Verschwendung ist, hängt davon ab, was man dafür bekommt. Bitcoin liefert ein weltweites, offenes System für Eigentum und Übertragung ohne Mittelsmann. Man kann diesen Nutzen unterschiedlich bewerten – aber er ist nicht null. Auch Bankfilialen, Rechenzentren, Werttransporte und Goldförderung verbrauchen Energie.
„Methan wird dadurch verbrannt statt abgelassen.“ – Es gibt Projekte, in denen Gas von Ölfeldern, das sonst abgefackelt oder abgelassen würde, für Mining genutzt wird. Methan ist ein besonders starkes Treibhausgas. Solche Projekte können Emissionen senken, sind bisher aber ein kleiner Teil des gesamten Minings.
Was ehrlich dazugehört
- Elektroschrott. Mining-Geräte veralten nach wenigen Jahren. Wissenschaftliche Schätzungen gehen von Zehntausenden Tonnen Elektroschrott pro Jahr aus.
- Lärm und Standorte. Große Anlagen sind laut und belasten Anwohner, wenn sie schlecht geplant sind.
- Fossiler Anteil. Solange ein Teil des Stroms aus Kohle und Gas stammt, verursacht Bitcoin auch Emissionen.
Bitcoin verbraucht viel Energie – das ist der Preis seiner Sicherheit. Ob das gerechtfertigt ist, hängt an der Energiequelle und daran, wie man den Nutzen eines offenen, unabhängigen Geldsystems bewertet. Beides lässt sich sachlich diskutieren.
Was das für Sie heißt
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Quellen
- Cambridge Centre for Alternative Finance: Cambridge Bitcoin Electricity Consumption Index
- Cambridge Centre for Alternative Finance: Bericht zur Mining-Industrie, 2025 (Befragung von Mining-Unternehmen)
- de Vries, Stoll: Bitcoin's growing e-waste problem, Resources, Conservation & Recycling 175 (2021)
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